Der Warndtdom in Lauterbach ist ein ganz besonderer Ort
Ein paar persönliche Gedanken zum Warndtdom
Wenn man mich heute fragen würde, wieviele Gottesdienste ich in diesen heiligen Mauern schon miterlebt habe, dann müsste ich schlichtweg passen. Doch es waren bestimmt schon einige tausende. Traditionsgemäß war mein Platz immer neben meinem Großvater auf der rechten Empore. Von dort aus hatte man immer einen wunderbaren Blick in das Hauptschiff hinunter und natürlich auch auf den Spieltisch der benachbarten Orgel.
Ausgesprochen gerne erinnere ich mich noch heute an die schönen Festgottesdienste zu Fronleichnam, Ostern, Weihnachten oder Firmung. Nicht selten war an solchen Tagen der ganze Ort auf den Beinen und in der Kirche bekam man noch nicht einmal einen Stehplatz mehr.
Bei solchen Ereignissen erwies sich – neben dem Pfarrer – der damaliger Küster, Chorleiter und Organist, Herr Henrichs als ein wahrer Meister seines Fachs. Mit seiner faszinierenden Liebe zum Detail und dem ständigen Drang zur Perfektion verlieh er jedem Gottesdienst einen würdigen und dem Anlass entsprechenden Rahmen. Letztendlich war er oftmals der „stille Regisseur“ im Hintergrund, der stets die Fäden in der Hand behielt. „Seine“ Gottesdienste waren für mich immer etwas ganz besonderes – sowohl bei freudigen, als auch traurigen Anlässen.
Ich bewunderte sein grandioses Orgelspiel und seine freien Improvisationen zum Anfang und zum Ende eines jeden Gottesdienstes. Ebenso gerne mochte ich aber auch das engagierte und lautstarke Mitsingen so vieler ehemaliger Emporenbesucher, denn sie brachten die Wände des Warndtdoms bei dem Lied „Großer Gott, wir loben Dich“ mehr als einmal zum wackeln.
Aus all diesen Erlebnissen entwickelte sich nach und nach mein Interesse und die Verbundenheit zum Warndtdom, zur Kirchenmusik, zur Orgel und auch zu den Glocken. Dies inspirierte mich dann bereits in jungen Jahren dazu Unterricht an der schönen Orgel in der St. Eligius Kirche Völklingen zu nehmen. Leider musste ich dieses Hobby aber schon nach wenigen Jahren aus beruflichen Gründen aufgeben. Mein damaliger Arbeitgeber hatte leider mehr Verständnis für Fussballer, als für angehende Organisten, wenn es um die Schichteinteilung ging.
Da ich ein Internet-Kind der 1. Stunde bin kam mir dann vor einigen Jahren die Idee dem Warndtdom ein virtuelles Denkmal zu setzen. Am 01.12.2007 war die Geburtsstunde von „www.warndtdom.de“. Warum es noch niemand anderem zuvor in den Sinn gekommen war etwas ähnliches zu tun – man weiß es nicht.
Ich bin und war immer bestrebt eine gute und anspruchsvolle Seite ins Netz zu stellen. Möglichst detailgetreu, mit vielen historischen Informationen, Texten und Bildern.
Als man mich 2011 erstmalig kontaktierte, um eine Freigabe meiner Fotos von www.warndtdom.de zu erbitten, zögerte ich nicht lange und stimmte zu. Schließlich feierten wir 2012 das Jubiläum „100 Jahre Warndtdom“ und so war es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass meine Fotos jedem Interessenten zugänglich gemacht werden sollten.
Bei dem Versuch weitere Daten und Bilder vom Warndtdom zu erhalten blieben meine vielen Kontaktaufnahmeversuche zu den kirchlichen Vertretern vor Ort größtenteils ohne Antwort. Man zeigte im Allgemeinen wenig bis gar kein Interesse an dieser Seite und verwies immer wieder auf die großen zeitliche Probleme der kirchlichen Mitarbeiter.
So verwunderte es mich in diesem Zusammenhang auch nicht allzu sehr, dass Kirchenmusiker auf meine konstruktive Kritik an ihrem Orgelspiel überhaupt nicht reagiert haben. Meine Tipps, Ratschläge und Hinweise wurden freundlich ignoriert. Ist das die richtige Einstellung mit Kritik umzugehen? Für wen – so frage ich mich – ist denn ein Kirchenmusiker eigentlich da?
Ja, es gab sogar schon Pfarrer, die mir in einem Gespräch ohne Skrupel drohten, weil ich mich hier offen gegen die Streichung des Wegläutens ausgesprochen hatte.
Den absoluten Gipfel der Unverschämtheit erlaubte sich ein hochkatholischer Hobby-Organist im Jahre 2012, als er mir indirekt per Email drohte, ich solle doch zukünftig aufpassen, was ich hier so schreibe (gemeint war damit wohl meine Kritik an der Kirchenmusik). Diese Aussage erstaunte mich sehr, zumal sie doch irgendwie an Zensur und Diktatur erinnert. Hatten wir nicht schon vor Jahren mit diesem Thema abgeschlossen? Wollte mir hier jemand wirklich den Mund verbieten? Wenn es nicht so traurig und armseelig wäre, könnte man wirklich herzhaft darüber lachen…
Auszug aus dem Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland:
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten (…)
Doch auch andere Menschen haben mir bei der Weiterentwicklung dieser Seite nicht helfen wollen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Erweiterung meiner historischen Fotogalerie. Obwohl es zahlreiche solcher alten Bildaufnahmen gibt werden sie bis heute penibel in privaten Schubladen gehortet. Man weigert sich beharrlich, diese zur Veröffentlichung an mich weiter zu geben. Meine Anfragen hierzu – und Sie ahnen es schon – wurden wieder einmal freundlich ignoriert. Möge derjenige mit den Bildern glücklich werden und sie mit ins Grab nehmen.
Wie man sieht, ist es nicht ganz einfach eine Internetseite wie diese zu betreiben. Dennoch habe ich beschlossen diese Seite weiterhin aufrecht zu erhalten, nicht zuletzt, weil mir diese Kirche ganz besonders am Herzen liegt.
Der Warndtdom in Lauterbach ist eine „offene Kirche“. Lassen Sie sich faszinieren von den vielen Eindrücken, die dieses Bauwerk auf seine Besucher ausübt.
Mein ganz besonderer Dank und großen Respekt möchte ich all jenen gegenüber bringen, die sich vor über 100 Jahren in so unermüdlicher Art und Weise für diesen Kirchenbau in Lauterbach stark gemacht haben. Die damalige Spendenbereitschaft und das ehrenamtliche Engangement so vieler Lauterbacher Bürger sind bis heute einzigartig und bewundernswert. Nur so konnte der Warndtdom in einer Rekordbauzeit von nur 2 Jahren entstehen.
„Hut ab“ vor dieser Leistung! Es hat sich gelohnt!
In herzlicher Verbundenheit
Jörg Roth